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Klarinettist Livio Russi: Vom Konzert- in den Hörsaal

20. Juli 2013 Bündner Tagblatt Der junge Klarinettist Livio Russi ist zum zweiten Mal Mitglied des Verbier Festival Orchestra – eine Auszeichnung für jeden aufstrebenden Musiker. Doch der Trimmiser denkt schon weiter. Von Julian Reich Sie sind begehrt, die Plätze im Verbier Festival Orchestra: Als Livio Russi im vergangenen Jahr zum Vorspiel fuhr, traf er auf 30 andere Klarinettisten, die sich für zwei freie Stellen bewarben. 30 allein in Genf, denn die Vorspiele werden weltweit durchgeführt, von New York bis Berlin, Brüssel, Oslo oder Moskau. Wer sich in dieses Orchester hineinspielt, so viel ist sicher, der kann etwas. 1987 geboren, wuchs er in Trimmis auf und begann mit zehn mit dem Klarinettenspiel. Es folgten Studien in Lugano und Genf, die er 2012 abschloss. In der Zwischenzeit hatte Russi schon den einen oder anderen Preis gewonnen: 2006 etwa den Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb, 2009 gelang ihm der Sprung in das Schweizer Jugendsinfonieorchester. Und jetzt eben das Verbier Festival Orchestra, wo er zum zweiten Mal dabei ist. Es ist neben dem Gustav-Mahler-Jugendorchester und dem European Union Youth Orchestra die wichtigste Kaderschmiede für den europäischen Musikernachwuchs. Surreale Situation Seit bald drei Wochen ist Russi jetzt in Verbier, und er erzählt von langen Tagen und langen Nächten. Sechs Stunden täglich wird allein für die Orchesterkonzerte geprobt, daneben tritt Russi noch in einer Kammermusikformation auf. Beim gestrigen Eröffnungskonzert stand Beethovens 9. Sinfonie auf dem Programm, geleitet von Festivalchef Charles Dutoit. Das Festival feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen und dauert noch bis 3. August. In seinen sieben weiteren Konzerten wird Russi unter Stardirigenten wie Kent Nagano, Gianandrea Noseda oder Valery Gergiev spielen, als Solisten sind unter anderem Anna Netrebko, Lisa Milne oder Aleksandrs Antonenko engagiert. Dem Klarinettisten kommt das manchmal surreal vor: «Wir leben für Wochen in einem Bergdorf und machen Musik auf sehr hohem Niveau. Man lebt hier wie in einer Blase.» Verbier sei klein, und so treffe man sich allabendlich im einzigen Pub des Dorfes. Russi ist dabei einer von nur vier Schweizern, seine fast 100 Mitmusiker stammen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen. Was sie verbindet, ist die Liebe zur klassischen Musik. «Es ist ungemein bereichernd, ich habe einige gute Freundschaften schliessen können», sagt Russi, und schiebt nach, dass eitles Konkurrenzdenken gar nicht erst aufkomme. «Natürlich verspüren wir einen gewissen Druck, immer unsere Bestleistung abzuliefern. Aber es ist positiver Druck.» Wie weiter? Die Vielfalt der Herkunftsländer macht Russi auch bewusst, wie verschieden die Lebensentwürfe seiner Mitmenschen sein können. Über seinen eigenen macht er sich derzeit intensiv Gedanken. Er erzählt von einem Probespiel für eine Praktikantenstelle an einer Oper, für das sich 130 Klarinettisten meldeten. Russi kam ins Finale – aber am Ende wurde doch keiner ausgewählt. «Es gibt zu viele Musiker für zu wenige Orchesterplätze», fasst er zusammen. Natürlich wäre es sein Wunsch und Ziel, ein festes Orchesterengagement zu ergattern. «Aber ich kann meine Fähigkeiten auch gut einschätzen. Ich kenne Leute, die sind weiter als ich – und finden doch keine Stelle.» Wie weiter also? «Jegliches Versteifen auf ein Ziel ist nicht förderlich», sagt Russi mit Blick auf seine Zukunft. Zumal er neben seinem Instrument auch andere Interessen besitzt. Der Sport war und ist es seit jeher, aber auch die Geisteswissenschaften. Russi wird im Herbst ein Studium der Musikwissenschaft in Zürich beginnen. Er will sich ein zweites Standbein aufbauen, eventuell dereinst im Bereich Management. Denn die andere Alternative für Musiker, der Lehrberuf, reizt ihn wenig. Die Klarinette einfach beiseite legen, wird er dennoch nicht. Er habe bereits einige Anfragen für Konzerte erhalten, auch aus Graubünden. Hier stand er zuletzt beim Konzert des Orchestervereins Chur als Solist vor dem Publikum. Wenn er seinen Musikerkollegen von seinen Plänen erzählt, halten ihn die einen für verrückt. Die anderen geben zu, ähnliche Gedanken zu wälzen. Russi hat den Mut, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Bündner Tagblatt 20.07.13 Seite 20

«Speziell in Verbier ist, dass sich alles stark konzentriert»

9. Juli 2013 Südostschweiz Die Messlatte liegt hoch, sehr hoch, um in das Verbier Festival Orchestra aufgenommen zu werden. Der junge Bündner Klarinettist Livio Russi hat letztes Jahr diese Hürde geschafft. Diesen Sommer kehrt er in die Walliser Berge zurück. Mit Livio Russi sprach Andrea Meuli Herr Russi, wie sind Sie auf das Verbier Festival Orchestra aufmerksam geworden? Was hat Sie daran interessiert? Livio Russi: Als Musikstudent hat man Träume. Einer davon ist es, einmal in einem der grossen internationalen Jugendorchester mitzuspielen. Von diesen gibt es nur ganz wenige, und das Verbier Festival Orchestra gehört dazu. In einem solchen Orchester mitzuspielen bedeutet eine unglaubliche Chance, Orchestererfahrungen zu sammeln und viele Leute kennenzulernen. Haben Sie es mehrmals versucht, in dieses Orchester aufgenommen zu werden? Für Verbier habe ich zweimal vorgespielt. Beim ersten Mal kam ich auf die Warteliste, was einen natürlich etwas frustriert – als ob man eine Aufnahmeprüfung bestanden hätte und dennoch keinen Studienplatz bekommt. Beim nächsten Versuch klappte es dann. Welche Voraussetzungen entscheiden bei einem solchen Probespiel, ob man erfolgreich ist und aufgenommen wird? Diese Auditions sind insofern ein besonderes Format, als sie nicht in einer einzigen Stadt stattfinden, sondern im Rahmen einer ganzen Tour rund um den Globus, von New York bis Berlin, Brüssel, Oslo, Mailand, Moskau oder Genf. Robert Smith besucht als künstlerischer Koordinator des Verbier Festival Orchestras alle diese Orte und hört sich – jeweils mit einem Zweitgutachter des betreffenden Instruments – alle Kandidaten an. So wird das Orchester zusammengestellt, aufgenommen wird man für drei Jahre. Keine einfache Situation: Wenn sich an einem der ersten Vorspielorte bereits ein sensationeller Klarinettist aufgedrängt hat, wird es für die nächsten Kandidaten noch schwieriger, sich ins Orchester zu spielen. Sicher muss man rein musikalisch souverän sein, aber ebenso wichtig ist es wohl, einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen – im Klang, in der Musikalität, aber auch im persönlichen Auftritt. Letztes Jahr waren wir nur schon in Genf rund 30 Leute, die sich um die zwei Klarinettenpositionen bewarben. Diesen Sommer gibt es sogar nur eine Position zu besetzen. Da wird es extrem eng und hart. Eine besondere Herausforderung … … auf jeden Fall. Man kommt hin und kennt die meisten, die sich mitbewerben. Oft sind es liebe Kollegen und Freunde. Da findet man sich dann unvermittelt zu zehnt in einem Einspielraum – eine Situation, die ich am wenigsten mag. Ich ziehe mich eigentlich lieber in eine ruhige Ecke zurück. Und dann wird alle zehn Minuten der nächste in den Saal gerufen… Haben diese Erfahrungen mit Verbier etwas für Sie verändert? Ich kann eine Linie ziehen zum Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester, in dem ich mehrere Jahre mit dabei sein durfte. Die Situation war immer eine ähnliche: Ich konnte glücklich sein, wenn ich etwas gewann, aber ich spürte auch immer die andere Seite der Medaille, den Druck, die Nervosität – das bleibt sich immer gleich. Aber es tut gut, auf allen Stufen zu erleben, wie sich Musikerinnen und Musiker überall mit denselben Problemen, mit denselben Fragen herumschlagen. Darüber hinaus hat mir Verbier unglaublich schöne musikalische Momente und zahlreiche Kontakte gebracht. Ich konnte mein Repertoire erweitern – und es öffnete mir Türen. Auch das ist für einen jungen Musiker, der versucht, seinen Weg zu finden und zu gehen, nicht zu unterschätzen. Wie haben Sie die Zeit in Verbier als sehr internationalen Treffpunkt vieler junger Musiker erlebt? Martin Engström hat es geschafft, in Verbier einen richtigen musikalischen Hype auszulösen. Als uns letztes Jahr in einem Konzert der Solist ausfiel, schaffte er es mit einem Anruf, dass kurzfristig Maxim Vengerov einsprang und mit uns das Brahms-Konzert spielte. Ich bin ja in den Bergen aufgewachsen, daher war dies nichts Neues für mich, verschiedene Festivals in den Bergen fahren heute anscheinend erfolgreich diese Schiene. Wirklich speziell in Verbier ist, dass sich alles sehr stark konzentriert. So begegnet man am Abend im Pub Mont Fort in ganz lockerer Atmosphäre den verschiedensten Musikern, vom Konzertmeister der Wiener Philharmoniker bis zu Mischa Maisky und vielen anderen. Es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre – das habe ich genossen. Martin Fröst war einer der zentralen Künstler des letztjährigen Verbier Festivals. Sind Sie ihm begegnet? Ich bin ihm kurz begegnet beim Einspielen für einen eigenen Auftritt im Rahmen der spätabendlichen «Windows»-Konzerte, wo den Mitgliedern des Orchesters wie der Academy Gelegenheit geboten wird, sich in Kammermusik zu präsentieren. Natürlich habe ich ihn auch einige Male im Konzert gehört. Ich glaube, man kann nicht genug unterstreichen, dass er in den letzten Jahren das Niveau und das Ansehen der Klarinette nochmals auf eine neue Stufe gebracht hat. Das ist natürlich unglaublich, wenn so jemand am gleichen Festival spielt. Es sind nicht nur wenige Schweizer, sondern auch wenige junge Musikerinnen und Musiker aus Zentraleuropa in diesem Orchester mit dabei. Sind die Amerikaner und Asiaten besser ausgebildet? Ich glaube, das ist eine Unterstellung. Logischerweise hatte das Verbier Festival Orchestra von Beginn an mit seinen engen Kontakten zur New Yorker Metropolitan Opera eine etwas andere Ausrichtung als die grossen europäischen Jugendorchester. Es gibt in Verbier diese Verbindung in Richtung Nordamerika, das Orchester hat auch einen amerikanischen Manager. Das Verbier Festival Orchestra ist sehr international besetzt, auch bei den Bläsern. Daher bestimmt seinen Klang weniger deutsche Homogenität, sondern es lebt als spannendes, heterogenes Ensemble, das sich im Lauf eines Festivalsommers zu etwas Speziellem formen lässt. Was bedeutet ihnen mehr, solistisch aufzutreten oder im Orchester zu spielen? Das ist eine schwierige Frage. Spannend macht es die Abwechslung. Solistisch aufzutreten sind schon unbeschreibliche Momente, ich hatte als junger Bläser schon ein gutes Dutzend Mal Gelegenheit als Solist zu spielen. Das bleiben Perlen in meiner Erfahrung. Gleichzeitig bedeutet mir Kammermusik eine grosse Leidenschaft, weil ich sowohl Mitspieler wie auch Solist bin. Demgegenüber reizt mich das Orchester, weil dort mit der ganzen Sinfonik ein unglaubliches Repertoire lockt. Mir ist bewusst, dass der Berufsalltag des Orchestermusikers auch nicht jeden Tag das Gelbe vom Ei ist. Aber es ist sicher ein Beruf, der potenziell überproportional Glücksmomente vermitteln kann. Südostschweiz 09.07.13 Seite 10

Grossartiger Solist

30. April 2013 Bündner Tagblatt Mozart und Haydn im Konzert des Orchestervereins Chur zum Abschied von seinem langjährigen Dirigenten: Die Zuhörer erschienen in hellen Scharen. Von Christian Albrecht Der Orchesterverein Chur hat in seiner hundertjährigen Geschichte besonders oft und gern mit jungen Solistinnen und Solisten zusammengearbeitet: In einem der ersten Konzerte unter der Leitung von Luzi Müller trat beispielsweise die Churer Pianistin Dorothea Cantieni auf. Am Sonntag nun war es der in Trimmis geborene 26-jährige Klarinettist Livio Russi, der Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur KV 622 interpretierte. Und dabei seinen Solopart in einer Art und Weise entfaltete, die aufhorchen liess. Mozarts «Spätwerk» erschien als ein durchwegs flottes, ja gar jugendlich frisches und klangfarbiges Stück. Bemerkenswert grossartig, wie Livio Russi die Register seines Instruments gleich einem Dialog von zwei Personen kontrastierend gegeneinander ausspielte – ein klarer, ab und an sogar scharfer, neckisch-dudelnder Diskant gegen einen profunden, pausbackigen Bass. Das breite Schattierungsrepertoire führte zu einem insgesamt üppigen Mozart-Genuss, dosiert abgeschmeckt vom Orchester, dem dritten Dialogpartner in dieser musikalischen Geschichte. Russi verstand es, die grossen Bögen schwerelos auszuspannen: Er kann seinen Ton ins scheinbare Nichts verschwinden lassen und ihn wieder zu voller Süffigkeit steigern – der langsame Satz bot dazu Möglichkeiten genug. Würden diese sieben Minuten Musik mit einer Duftnote verglichen, dann müsste eindeutig Opium mit im Spiel sein. Wenig erstaunlich, dass spontane Standing Ovations dem jungen Künstler gelten. Die solistische Zugabe – eine Improvisation über ein Klezmer-Thema – bestätigte das im Mozart-Konzert Gehörte. Der junge Mozart riet in ernst gemeinter kollegialer Absicht seinem älteren Zeitgenossen Joseph Haydn ab, die Reise nach England anzutreten. Allein, der Jüngere sollte den Älteren nicht überleben. Haydn machte sich sogar ein zweites Mal nach London auf. Hier kam die Sinfonie Nr. 101 in D-Dur zur Uraufführung, die das Konzert am Sonntagabend abschloss. Im Detail ausgefeilter als in der Ouvertüre und auch spielfreudiger, entwickelte hier das Orchester die vier teilweise kammermusikalisch austarierten Sätze. Bündner Tagblatt 30.04.13 Seite 24

Chancen für die nächste Generation

30. April 2013 Die Südostschweiz, Graubünden Mit einem Konzert in der Martinskirche hat sich Dirigent Luzi Müller vom Publikum und seinem Orchesterverein verabschiedet. Der Auftritt des jungen Klarinettisten Livio Russi begeisterte die Zuhörer. Von Ulrike Nitzschke Luzi Müller will einer jüngeren Generation Platz machen. Einen überzeugenden Vertreter stellt er mit dem Solisten von Mozarts Klarinettenkonzert vor. Livio Russi, geboren in Trimmis, 25 Jahre jung, weiss die melodisch-klanglichen Vorzüge seines Instruments, der Bassettklarinette, voll zu nutzen, bringt das Werk, das wenige Monate vor dem Tod des Salzburger Meisters entstand, zu seiner ganzen lyrischen Schönheit und Eleganz. Technisch souverän wird auch die schwierigste Passage zu leichtem Gesang, düsteres Moll statt zum Klageklischee, zu inniger Beseeltheit. Diese Interpretation reisst das Publikum aus den Kirchenbänken. Stehende Ovationen. Livio Russi bedankt sich mit einer Improvisation zu Themen der Klezzmermusik. Südostschweiz 30.04.13 Seite 11

«Ein Musiker muss losziehen und Neues kennenlernen»

28. Juli 2012 Die Südostschweiz, Graubünden

Wenn in der Westschweiz derzeit das Verbier Festival Orchestra aufspielt, ist der junge Bündner Klarinettist Livio Russi mit dabei – als einer von nur drei Schweizer Musikern. Der Weg bis dahin war lang.

Von Carsten Michels

Verbier/Trimmis. – An Selbstbewusstsein mangelt es dem 24-Jährigen kaum, aber auch nicht an realistischer Einschätzung, was das Klarinettenspiel betrifft – seines eigenen wie das namhafter Kollegen. Livio Russi sagt Sätze wie: «Ein guter Musiker ist ein guter Instrumentalist; aber was er macht, muss weit über das Instrument hinausgehen.» Und: «Wenn ein Musiker in seinen Lebenslauf schreiben kann, er sei Mitglied im Verbier Festival Orchestra gewesen, dann ist das wohl ein Anzeichen dafür, dass er sein Instrument einigermassen beherrscht.» In Russis Lebenslauf wird künftig genau das stehen. Heuer sitzt er am Klarinettenpult des renommierten Orchesters. Und er wird im Laufe des Festivals, das am 20. Juli gestartet ist und noch bis zum 5. August dauert, unter berühmten Dirigenten musizieren und weltweit bekannte Solisten begleiten.

Zu den Dirigenten, die das Orchester in Verbier leiten, gehören Charles Dutoit, Jaap van Zweden sowie Neeme und Paavo Järvi; Solisten sind unter anderen die Geiger Joshua Bell und Maxim Vengerov, der Cellist Mischa Maisky und die Pianistin Martha Argerich. Auf dem Programm stehen Tschaikowsky, Dvorák, Brahms, Bruckner und Mahler. Am vergangenen Montag führte das Orchester unter Dutoits Leitung zudem Claude Debussys Oper «Pelléas et Mélisande» konzertant auf – mit internationalen Gesangsstars wie Magdalena Kozená und José van Dam.

Gut, aber nicht gut genug

Dass dem jungen Klarinettisten ob all der grossen Namen nicht schwindlig wird, hat Gründe. Zum einen ist Russi mittlerweile selber lange genug im Geschäft; zum anderen ist der Aufstieg des Trimmisers in den Olymp des europäischen Musikernachwuchses nicht ohne empfindliche Rückschläge vonstatten gegangen. Im vergangenen Jahr etwa sah er Verbier bloss von Weitem. Er habe zwar ein tadelloses Probespiel abgeliefert, erzählt Russi, doch habe man ihn am Ende nur auf die Warteliste gesetzt. «Ein unbefriedigender Platz. Man weiss, man war gut und ist doch nicht gut genug gewesen.» Rückschläge wegzustecken, musste er lernen. «Vielleicht hat mich genau dies an der Musik auch gereizt», sagt Russi. In der Schule sei ihm das Lernen nämlich leicht gefallen und auch im Sport hätten sich die Erfolge gehäuft. «Die Musik ist vielleicht das Erste in meinem Leben gewesen, wo ich zunächst richtig auf die Schnauze gefallen bin.» Als Enttäuschung bezeichnet er seine Teilnahme am Bündner Solo- und Ensemblewettbewerb 2003. Er hatte sich im Vorfeld gründlich vorbereitet. Am Wettbewerbstag sei er in Lenzerheide auf die Bühne gegangen, habe dann aber einfach schlecht gespielt. «Übeaufwand und Ergebnis standen in keinem Verhältnis zueinander», urteilt Russi rückblickend.

Was der Musiker unterschlägt, ist sein exzellentes Abschneiden bereits im Jahr darauf. Damals belegte der 17-Jährige in der Kategorie «Junioren (Holz)» den zweiten Platz – gleich hinter Annatina Kull, die wie er zu den Schülern von Klarinettist Josias Just gehörte.

Über Lugano nach Genf

Kein Vierteljahr später erspielten sich Russi und Kull je ein Ticket für das Preisträgerkonzert des Bündner Jugendmusikwettbewerbs. Und 2006 belegten beide jeweils den ersten Platz am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb. «Livio ist ein Kämpfertyp», sagte sein Lehrer Just damals gegenüber der «Südostschweiz».

Zu kämpfen hatte Russi auch, was sein Klarinettenstudium betraf. «Als Musiker muss man losziehen, Neues kennenlernen.» Sein Ziel war Basel, wo er an der Musikhochschule vorspielte. Die Hiobsbotschaft folgte per Telefon. Eigentlich wäre die Aufnahmeprüfung bestanden, hiess es. Wieso wäre? Just in jenem Semester nahm sein Wunschprofessor gar keine neuen Studenten auf. Überraschend erhielt der Bündner einen Studienplatz am Konservatorium in Lugano. Ein Glücksfall, findet er. Denn der Unterricht bei Milan Rericha erwies sich als inspirierend und gab dem jungen Musiker wesentliche Impulse über die technischen Fertigkeiten hinaus. 2010 schloss Russi in Lugano den Bachelor of Arts in Music mit Auszeichnung ab. Seinen Master erlangte er vor Kurzem an der Musikhochschule in Genf bei Romain Guyot.

Ashkenazy zeigt sich beeindruckt

Dazwischen: Wettbewerbe auf nationaler und internationaler Ebene. Ein hartes Pflaster, wie Russi sagt. 2009 wurde er Zweiter am schweizerischen Concours National d’Exécution Musicale; 2011 gewann er den Spezialpreis der Jury beim Internationalen Klarinettenwettbewerb der Europäischen Klarinettenvereinigung in Madrid. Russi überzeugte die Jury mit seiner Interpretation des Klarinettenkonzerts von Charles Villiers Stanfort. Starklarinettist Dimitri Ashkenazy zeigte sich in einem Gespräch am Rande des diesjährigen Festivals «Klassik auf der Strasse» in Bad Ragaz beeindruckt. Er habe seinen jungen Kollegen zwar noch nicht spielen hören, sagte Ashkenazy, aber allein die Wahl des Stanford-Konzerts zeuge von Mut und Geschmack. Zudem spreche die Aufnahme ins Verbier Festival Orchestra für sich. Er selber habe sich als junger Musiker seine Sporen nicht in Verbier, sondern beim Gustav-Mahler-Jugend orchester unter Claudio Abbado abverdient. Neben Verbier und dem European Union Youth Orchestra eine der drei Kaderschmieden für den europäischen Musikernachwuchs.

Wie es nach Verbier weitergeht, weiss Russi momentan noch nicht. Obwohl ihn das Musizieren in besonderer Weise erfülle, spiele er mit dem Gedanken an ein geisteswissenschaftliches Studium. «Ein Musiker sollte wie jeder Künstler etwas zu erzählen haben», meint Russi und präzisiert, der Blick über den Tellerrand sei wichtig. Es klingt, als wolle der junge Mann sagen: Man muss sein Leben leben, sonst bleiben die Noten am Ende nur schwarze Punkte auf liniertem Papier.

Südostschweiz 28.07.12 Seite 10

Von einem, der es mag, auf der Bühne zu stehen

April 2012, Ernst Göhner Stiftung Bericht 2011 Vielseitig begabt, jung und zugleich reif: Der Klarinettist Livio Russi, 24, hat ein Ernst Göhner Stipendium der Schweizerischen Studienstiftung für Kunstschaffende in Ausbildung erhalten. «Es ist der 4. November 1987, 20 Uhr, das Länderspiel der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft beginnt. Edy Russi sitzt erwartungsfroh vor dem Fernseher. Doch da nimmt das Unheil seinen Lauf! Bei Heidi Russi setzen die Wehen ein, und plötzlich geht alles sehr schnell. Fahrt mit dem Auto nach Chur ins Frauenspital, sofort in die Notaufnahme und eine Stunde später erblicke ich das Licht der Welt. Ich mache mich zuerst einmal akustisch bemerkbar und ziehe alle Blicke auf mich.» – So beginnt der Lebenslaufs, mit dem sich Livio Russi im Mai 2011 um ein Ernst Göhner Stipendium der Schweizerischen Studienstiftung für Kunstschaffende in Ausbildung bewarb, und macht sofort klar: Dieser junge Mann denkt ungewöhnlich. Und wer ihn trifft, merkt: Er ist insgesamt ungewöhnlich und zieht auch 24 Jahre später noch alle Blicke auf sich. Zum Beispiel in der Aula der Universität Zürich, wo an diesem Augustmorgen die Feier zum 20. Geburtstag der Studienstiftung Schweiz stattfindet, umrahmt von musikalischen Einlagen der Stipendiaten, unter anderem Livio Russi. Als er die Klarinette an die Lippen setzt und mit geschlossenen Augen im zartest denkbaren Piano beginnt, würde man im bis auf den letzten Platz besetzten Saal eine Stecknadel auf den Boden fallen hören. Gebannt sind alle Augen nach vorne gerichtet, die Ohren sind weit offen und alsbald sicherlich auch alle Herzen. Zwischenzeitlich scheint er zu vergessen, dass in wenigen Metern Distanz ein Schweizer Bundesrat, eine Deutsche Bundesministerin, eine Zürcher Regierungsrätin und weitere wichtige Persönlichkeiten sitzen. Versunken zaubert Livio Russi Töne in die Luft, singt auf dem Instrument in den höchsten und auch tiefsten Lagen, mal laut, mal jauchzend, dann sentimental stöhnend oder zärtlich. Die Finger tanzen über die Ventile, der Atem scheint endlos, die Melodien fliessen. Jetzt empfindet man, was er meint, wenn er sagt: «Trotz der Anspannung kann ich vor dem Spielen Gewicht abgeben.» Trotz der Leichtigkeit scheint nichts dem Zufall überlassen, jeder Ton wirkt überlegt. Oft sind seine Augen geschlossen, dann weit offen. Später wird er sagen: «Es geht beim Spielen darum, Spannung zu halten und Spannung loszulassen.» Er interessiert sich für alles Neugierde und Begeisterung ziehen sich wie rote Fäden durch sein Leben. «Ich finde alles spannend, interessiere mich für alles.» Als sein älterer Bruder mit Klarinette beginnt, will der 10-jährige Livio es auch probieren. Schnell hat er den Bruder technisch überholt. Er gewinnt verschiedene Wettbewerbe und streckt seine Fühler in die unterschiedlichsten Musikrichtungen aus: Klassik und Klezmer faszinieren ihn ebenso wie Volksmusik. Nach dem Abitur kommt die Qual der Wahl. «Ich hätte am liebsten alles nebeneinander studiert»: Literatur, Geschichte, Sprachen, Mathematik, Logik – alles interessiert den 18-Jährigen. Mit einem Stipendium der Carl Binding-Stiftung studiert er schliesslich an der Musikhochschule Lugano, schliesst 2010 mit einer knappen 6 ab, wird Mitglied im Schweizerischen Jugend-Sinfonie-Orchester, Zuzüger der Kammerphilharmonie Graubünden, spielt in mehreren Kammermusikformationen, an Festivals, ist Zuzüger im Orchestre dela Suisse Romandeund absolviert gegenwärtig seinen Master an der Musikhochschule in Genf. Er geniesst es, sich in die Seelen der Zuhörer zu spielen: «Ich mag es, wenn die Blicke auf mir ruhen, ich mag es, auf der Bühne zu stehen.» Eindrücklich hat er dies mit seiner Bachelorarbeit bewiesen, der besten Abschlussarbeit in Musik, für die er die Auszeichnung «Premio dell’Economia Ticinese» erhielt: Russi schlüpfte unter die Maske des «Kleinen Harlekin», eines 1975 von Karlheinz Stockhausen komponierten Solowerks für Klarinette. Die Rolle ist ihm auf den Leib geschnitten: feinsinniger Humor, ausgeprägte Gestik, körperliche Höchstleistungen – teilweise entlockte Russi seinem Instrument auf dem Rücken auf dem Boden liegend oder über die Bühne hüpfend die schönsten Töne in schnellster Folge. Zwischenmenschliche Beziehungen als Motor seines Schaffens Sternstunden hat der junge Musiker schon einige erlebt; etwa während eines Konzerts, in dem einer seiner besten Freunde sass; kurz zuvor war bei ihm die Diagnose Hirntumor gestellt worden: «Der Abend wurde trotz der Ängste zu einem tiefgreifenden Erlebnis für uns beide: Während einiger Momente hat das Gefühl der Unsicherheit jenem der Hoffnung und Zuversicht Platz gemacht.» Für den jungen Musiker sind zwischenmenschliche Beziehungen der zentrale Motor: «Diese zu verarbeiten, zu reflektieren und auch anzustossen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Künstlers.» «Einige meiner Interessen neben der Musik liegen brach», sagt Russi nun in seiner ruhigen, bescheidenen Art. Nach dem Master, den er bald in Händen halten wird, plant er, zweigleisig weiter zu fahren: Neben dem Musizieren möchte er noch ein zweites Studium absolvieren – «auch, um mich wirtschaftlich besser abzusichern». Wo er schliesslich landen wird, weiss er noch nicht. Aber er ist zuversichtlich: «Ich bin der Überzeugung, dass es immer einen Weg geben wird und dass sich – manchmal unerwartete – Türen öffnen werden, wenn man etwas mit Freude, Einsatz und der nötigen Portion Ehrgeiz macht.» Von all dem hat er viel mitbekommen. Livio Russi gehört 2011/2012 zu den StudentInnen des Kultur-Stipendienprogramms, das die Ernst Göhner Stiftung 2011 initiiert hat. Die weiteren StipendiatInnen sind Stefan Eichenberger (Film, Zürcher Hochschule der Künste), Cyrill Greter (Bratsche, SUPSI Lugano), Daniel Hellmann (Gesang, Schauspiel, Hochschule der Künste Bern), Eve-Maude Hubeaux (Gesang, Sorbonne, Paris), Selina Lauener (Bildende Kusnt, Hochschule der Künste Bern), Lena-Lisa Wüstendörfer (Dirigieren, Universität Basel). Die Schweizerische Studienstiftung fördert vielseitige und hervorragende Studenten aus allen Fachbereichen. Das Angebot umfasst studienergänzende Bildungsmöglichkeiten, individuelle Betreuung und Beratung, Vernetzung sowie finanzielle Unterstützung und richtet sich an junge Menschen, deren Persönlichkeit, Kreativität und intellektuelle Neugierde aussergewöhnliche Leistungen in den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik erwarten lassen. Im Jahr 2011 wurde nun erstmals ein Programm für Kunstschaffende lanciert. Mangels finanzieller Ressourcen kann die Studienstiftung nicht aus eigenen Mitteln Stipendien ausschütten. Deshalb ist sie mit der Ernst Göhner Stiftung eine gut funktionierende Kooperation eingegangen. Ernst Göhner Stiftung Bericht 2011 Seite 31-33

Mit Spielfreude und Virtuosität gepunktet

20. September 2010 Die Südostschweiz, Graubünden Man rief ihn, und er kam: Am Samstag hat der kurzfristig eingesprungene Bündner Klarinettist im Vaduzersaal das Liechtensteiner Publikum mit Carl Maria von Webers Klarinettenquintett begeistert – und das zu Recht. Von Reto Neurauter Vaduz. – Er hat eine hektische Woche hinter sich, der 22-jährige Klarinettist Livio Russi aus Trimmis: am Dienstag der Anruf von Dirigent Mario Schwarz für zwei Konzertauftritte mit dem St. Galler Collegium Musicum (ein junger Cellist war kurzfristig ausgefallen), am Mittwoch das Einschreiben an der Haute Ecole de Musique de Genève, dann zur Probe nach St. Gallen, und dazwischen noch rief das Vaterland. Vor allem hiess es für Russi üben, üben, üben. Denn: Vor dreieinhalb Jahres wars, als er den Solopart im Quintett für Klarinette und Streicher in B-Dur von Carl Maria von Weber das erste und einzige Mal einstudierte. Nur für sich, wohlgemerkt. Dazu muss man wissen: Dieses Stück kann nur spielen, wer höchsten Ansprüchen genügt. Und Russi enttäuschte die Konzertbesucher am Samstagabend im Vaduzersaal anlässlich eines Preisträgerkonzertes nicht. Der mit mehreren Nachwuchspreisen ausgezeichnete Klarinettist schöpfte die Möglichkeiten seines Instruments mit grosser Hingabe aus. Ein filigraner Meister, der die virtuose Aufgabe bravourös meisterte. Äusserst perfekt in der Intonation, ebenso sicher in der Interpretation, wunderbare Läufe, geschmeidiger Klang – Russi spielte das Instrument brillant. Und als im dritten Satz, dem Menuett, der Bewegungsimpuls der Klarinette auf die homogenen Streicherakkorde traf, war das einer der Höhepunkte. Im Rondo dann schien sich die Komposition in Figuren von kaum mehr spielbarer Geschwindigkeit aufzulösen. Russi zeigte sich auch hier als Meister seines Fachs. «Es hat Spass gemacht und es war eine grosse Möglichkeit für mich», sagte der junge Musiker anschliessend. Dass es für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung war, fügte er fast wie nebenbei an – und strahlte. Südostschweiz 20.09.10 Seite 8

Mit einfachem Rohrblatt auf dem Weg in den Musikerberuf

3. Juni 2006 Die Südostschweiz, Graubünden Annatina Kull und Livio Russi haben kürzlich am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb je einen ersten Platz errungen. Dieser nationale Erfolg warf in Graubünden allerdings kaum hohe Wellen. Von Reto Furter Chur. – Der Raum ist klein, sehr klein, und erinnert an eine Besenkammer, wäre die Schreibtafel nicht da. Es ist ein Proberaum an der Kantonsschule Plessur. Nichts deutet darauf hin, aber hier üben zwei Gewinner des diesjährigen Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs: die Klarinettistin Annatina Kull aus Chur und der Klarinettist Livio Russi aus Trimmis. Leider werde um die beiden Jugend-Schweizer-Meister in Graubünden nur wenig Aufhebens gemacht, sagt Josias Just mit leichtem Bedauern. Just, Klarinettist beim Zürcher Kammerorchester, zählt in Graubünden zu den Meistern seines Fachs. Er ist Lehrer von Kull und Russi. Die beiden jungen Musiker stecken dieser Tage mitten in den Maturaprüfungen. Sie nehmen es gelassen, denn äusseren Druck sind beide gewohnt. Kull, die am Jugendmusikwettbewerb den ersten Platz mit Auszeichnung errang, spielt schon seit Jahren auf hohem Niveau Klarinette. Ebenfalls auf dem ersten Rang platzierte sich Russi, nachdem er – wie Kull – zuvor bereits mehrfach an Bündner Musikwettbewerben reüssiert hatte. Kull sei übrigens die Präzisere, verrät Just. Sie musiziere äusserst harmonisch, vorsichtig, gepflegt und – der Lehrer wirft einen schmunzelnden Seitenblick zu Russi – seriös. Russi hingegen, wie Kull Jahrgang 1987, sei der Extrovertiertere der beiden. Just überlegt. «Livio musiziert spontaner … Er ist ein Kämpfertyp.» Die musikalische Karriere der beiden jungen Instrumentalisten begann im Kindesalter. Kull wie Russi betonen, beide aus eigenem Antrieb zu musizieren. Bevor sie Justs Schüler wurden, spielte Kull während Jahren mit dem Klarinettisten Franco Mettler, Russi musizierte mit dem Prättigauer Klarinettisten und Volksmusiker Hansruedi Hefti. «Die Talentdichte ist für mich einmalig», resümiert Just. Er habe schon andere begabte junge Instrumentalisten unterrichtet, aber nie gleichzeitig zwei Erstplatzierte. Das sei alles andere als selbstverständlich. Auch an der Kantonsschule wehe in Bezug auf Nachwuchsförderung mittlerweile ein rauerer Wind. Zwar existierten mit dem Schulorchester, der Kadettenmusik und diversen Kammermusikensembles eine gute Infrastruktur und Auftrittsmöglichkeiten für seine Klarinettenschüler, «doch machen die Umwälzungen im pädagogischen Bereich auch vor der Musikförderung nicht Halt», resümiert Just. «Die Kantonsschule zieht sich aus der Musikausbildung langsam zurück.» Die Folge seien kürzere Unterrichtslektionen. Was den persönlichen Musikgeschmack betrifft, erweist sich Russi als der Weitgefächertere der beiden Schweizer Meister. In seinem MP3-Player laufe derzeit Jack Johnson, erzählt Russi, aber das wechsle wochenweise. Er spielt neben klassischer Musik auch Volksmusik und Jazz, und – wie auch Kull gelegentlich – jiddische Klezmer-Musik. Das sei denn nicht zuletzt auch einer der Gründe, weshalb er sich für Klarinette entschieden habe: «Das Instrument bietet eine breite Palette.» Kull bestätigt das und ergänzt, die Klarinette als Rohrblattinstrument besitze «eine grosse Vielfalt im Klang». Sie selbst hätte sich aus Zufall diesem Instrument zugewandt – aus «Zufall, der aber passt». Klassische Musik, darin sind sich Kull und Russi einig, ermögliche eine breite, solide Musikausbildung. Sie gebe Freude und lasse starke Emotionen zu, mehr noch, als dies in anderen Musikrichtungen der Fall sei – auch wenn beide, wie sie sagen, ihre Ausflüge in «andere Musikregionen» genössen. Die klassische Musik hat sowohl Kull wie auch Russi «gepackt». Und die Wettbewerbserfolge auf kantonaler wie nationaler Ebene motivieren die beiden zusätzlich. Südostschweiz 03.06.06 Seite 12